Bürgeraktion Freudenstadt     

 

An das Bauamt der Stadt Freudenstadt

Marktplatz 64

 72250 Freudenstadt

 

Stellungnahme zur Begründung der

„Zweiten Änderung Bebauungsplan Hohenried / untere Herzog-Eberhard-Straße Hochschulcampus“

 

Die Bürgeraktion Freudenstadt begrüßt einhellig die Errichtung eines Hochschulcampus in Freudenstadt. Die vorgesehene Hochschule ist für die Stadtentwicklung zukunftsweisend, vervollständigt sie doch die Angebote der  „Schulstadt“ Freudenstadt.

Deswegen sollte dem Projekt ein überzeugender Start gelingen. Daher muss der erste Schritt, die Bauplanung, mit besonderer Sorgfalt und unter Berücksichtigung verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten erfolgen.

 An Alternativen zur Gestaltung mangelt es aber im vorliegenden Entwurf!

 Mit dem Abriss des denkmalgeschützten ehemaligen Bahnhof-Hotels werden verschiedene denkbare Alternativen von vorne herein kategorisch ausgeschlossen. Für eine Gliederung des Campus ist damit die Chance vertan, auf eine gewinnende Art das traditionelle Freudenstadt mit Modernem zu verbinden.

Reizvolle Kombinationen von alt und neu, die einem grundlegenden Kommunikationsbedürfnis  entsprechen, fallen weg.  Auf dem Gelände eines Campus würde ein Café z.B. im stilvollen Altbau und Sitzmöglichkeiten für Diskussionsrunden im  Freien erwartet. Flächen zur Regeneration im Außenbereich – Bäume und Rasenflächen - fehlen. Der aus diesem Grund für einen Campus wertvolle und deshalb nötige Innenbezirk wird phantasielos zum Abstellplatz für Autos gemacht. Der charakterlose Nutzbau, der den Platz beherrscht, verhindert jegliche Identifikation mit einem Ort, an dem der Studierende auf sein späteres Berufsleben vorbereitet wird.

 Der Architekt, Professor Hagen Schwenk, der sich in verdienstvoller Weise um seine Heimatstadt Freudenstadt kümmert, stellt dazu fest:  „Ein attraktiver Hochschulstandort entsteht nicht nur durch die Nähe zu wichtigen Firmen, sondern auch durch eine möglichst hohe, identitätsstiftende Aufenthaltsqualität.“ (Leserbrief Schwarzwälder Bote vom 26.10.2016)

 Bei der Begründung für den Abriss des Altbaus wird das Anforderungsprofil des Kunden ins Feld geführt. In der „Begründung zur Änderung des Bebauungsplans“ findet sich keine Stelle, an der dem Kunden die Chance, die in der Erhaltung des alten Hotels liegt, deutlich gemacht wird. Außer der genannten Cafeteria könnte dort auch die Verwaltung einziehen. Überdies werden zusätzlich zu einem Hörsaal kleinere Seminarräume immer gebraucht.

Für den Abriss wird zum einen weiter angeführt, dass sonst lange Wege nötig würden. Wo gibt es die auf der begrenzten Fläche des Campus? Zum anderen wird die geringe Flächenverfügbarkeit problematisiert. Warum verschwendet man dann den kostenbaren Platz an Parkplätze? Warum werden dafür nicht die freien Flächen auf der anderen Straßenseite genutzt? Oder noch konsequenter: Warum plant man nicht zusammen mit der Deutschen Bahn ein Parkplatzprojekt, das gleichzeitig den Bahnkunden gerecht werden würde?

Wohnen auf dem Campus mag einigen gefallen, es gibt aber genügend Studenten, die nicht 24 Stunden auf dem selben Gelände zubringen wollen. Was zwingt die Planer, vier Wohnhäuser an das Hochschulgebäude zu quetschen?

 Alternativen gibt es genug, dem Erhalt des alten Bahnhof-Hotels als stilbildendes Element wächst eine architektonische Bedeutung zu.

Dieser Aspekt ist für die Bürgeraktion Freudenstadt von ausschlaggebender Bedeutung.

 Längere Wege, Parkplätze im Zentrum der Anlage, lösbare Anbindungsprobleme können nicht gegen den Schutz des Denkmals aufgewogen werden. Denkmalschutz ist öffentliches Interesse, im Sinne des Erhalts von schützenswert eingestuften Bauelementen in einen Ort. Denkmalschutz sichert Tradition, Erinnerungswerte, Ästhetik. Denkmalschutz leistet damit auch einen Bildungsauftrag.  

 Ein weiterer Kritikpunkt stellt die Zeitplanung dar. Drei Architekten haben, unabhängig voneinander, festgestellt, dass sie vollkommen unrealistisch ist. Das Minium für die Bauzeit ist zwei, eher drei Jahre. Auch hierzu ist der o.g. Leserbrief von Prof. Schwenk zu beachten.

 Insgesamt drängt sich der Verdacht auf, dass die Hastigkeit, die dem vorgelegten Plan anzumerken ist, in der Feststellung der Autoren begründet ist, dass er alternativlos sei.

Diese Feststellung macht aber nur Sinn, wenn mehrere Pläne gegeneinander gestellt und bewertet werden. Einen eigenen Plan rigoros als den besten und nicht verbesserbaren darzustellen, fällt unter das Phänomen der Betriebsblindheit.

Es gibt ein bewährtes Mittel, diese zu verhindern: Die Ausschreibung eines Architekten-Wettbewerbs, wie er bei Projekten dieser Größe üblich ist.

 Für Alternativen zur Bebauung fordert die Bürgeraktion Freudenstadt deswegen diese Ausschreibung.

  

Dr. Kurt Breuer                                                                                                         Dr. Gero Kerig

Landhausstr. 68                                                                                                       Bahnhofstr. 17

72250 Freudenstadt                                                                                        72250 Freudenstadt