KOMMUNALES PROGRAMM ZUR REINHALTUNG UND ZUM SCHUTZ VON BODEN, WASSER, LUFT UND KLIMA 1993

zur vorigen Seite zurück
  zum nächsten Kapitel Vorwort
  zum nächsten Kapitel Tourismus
  zum nächsten Kapitel Energie
  zum nächsten Kapitel Verkehr
  zum nächsten Kapitel Müll
  zum nächsten Kapitel Wasser
  zum nächsten Kapitel Boden

Bereits im Jahre 1984 haben die Gemeinderatsfraktionen der Stadt Freudenstadt (CDU, Freie Wähler, SPD und FDP/Bürgeraktion) gemeinsam mit der Freudenstädter Aktionseinheit gegen das Waldsterben und der Stadtverwaltung ein Kommunales Programm zur Reinhaltung der Luft erarbeitet, mit dem nicht nur die verantwortlichen Politiker in Land und Bund in Ihren Maßnahmen gegen das Waldsterben bestä0rkt und unterstützt werden sollten, sondern mit dem auch im Verantwortungsbereich der Stadt Freudenstadt ein deutliches Zeichen gesetzt wurde.

Der Anlaß für die Verabschiedung dieses Kommunalen Programms zur Reinhaltung der Luft waren die alarmierenden Meldungen über das Waldsterben. Diese Umweltschutzthesen resultierten aus der Erkenntnis, daß Freudenstadt zu den Hauptbetroffenen des Waldsterbens gehört. Die Stadt Freudenstadt übernahm mit diesem Denkansatz eine Vor­reiterrolle gegen das europaweite Waldsterben und setzte mit eigenen Aktionen zur Reinhaltung der Luft ein Signal für andere Städte und Gemeinden. Die Resonanz auf dieses Kommunale Programm war äußerst positiv und fand in den vergangen Jahren viele «Nachahmer".

Die Thematik des Umweltschutzes und der Ökologie nimmt einen immer größeren Stellenwert ein und das Bewußtsein der Bürger zur Umwelt hat sich in den vergangenen Jahren entscheidend verändert.

Durch die Gemeinderatsfraktionen der Stadt Freudenstadt (CDU, Freie Wähler, SPD und Bürgeraktion) und der Freudenstädter Aktionseinheit gegen das Waldsterben wurde an die Stadtverwaltung Freudenstadt ein Vorschlagskatalog für ein kommunales Programm zur Reinhaltung und zum Schutz von Boden, Wasser, Luft und Klima" herangetragen.

Zu diesem Vorschlagskatalog wurde von der Verwaltung eine Diskussionsgrundlage erarbeitet, die in den Kommunalen Gremien (Fachausschüssen und Gemeinderat) beraten wurde.

Diese Fortschreibung des „Kommunalen Programms zur Reinhaltung der Luft“ wurde durch den Gemeinderat der Stadt Freudenstadt am 30. Juni 1992 unter dem erweiterten Begriff „Kommunales Programm zur Reinhaltung und zum Schutz von Boden, Wasser, Luft und Klima“ beschlossen.

Dieser Vorschlagskatalog zeigt weitreichende Handlungs­möglichkeiten auf dem Gebiet des Umweltschutzes auf.

Aus den Stellungnahmen der Fachämter zu den einzelnen Punkten - die lediglich als Hinweise an den Gemeinderat zu verstehen sind - ist zu entnehmen, daß die Verwaltung für die meisten Vorschlage sensibilisiert ist und viele Vorstellungen bereits verwirklicht werden. Nur wenige Vorschlage, die ein originäres Aufgabengebiet der Stadt Freudenstadt betreffen, konnten bisher noch nicht in Angriff genommen werden.

Die Stadt Freudenstadt erfüllt bereits in vielen Bereichen die Vorstellungen dieses Umweltschutzpapieres; es soll jedoch auch „Gradmesser“ für künftiges Verwaltungshandeln in der Stadt Freudenstadt sein.

Ich verbinde mit diesem Papier die Hoffnung, die Gremien der Stadt, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie unsere gern gesehenen Gäste aus nah und fern für Belange des Umweltschutzes - auch in Zeiten mit finanzschwächerem Hintergrund - zu sensibilisieren, um für unsere Zukunft verbesserte Grundlagen zu schaffen.

Februar 1993
Erwin Reichert
Oberbürgermeister

nach oben Tourismus

Tourismus befriedigt Grundbedürfnisse des Menschen nach Erholung, Erlebnis, Begegnung mit der Natur und dem Gespräch miteinander. Tourismus als solcher ist eine gute Sache. Doch darf er nicht zerstören, worauf er sich gründet. Die Ansprüche eines natur-, umwelt- und sozialverträglichen Tourismus müssen zu Auflagen und Verpflichtungen führen. Sie bedeuten eine zügige Umorientierung im gesamten Stadtgebiet einschließlich der Teilorte. Die einheimische Bevölkerung und die Gäste müssen auch lernen, von überzogenen Ansprüchen auf ein maßvolles Verhalten umzuschwenken.
Erforderlich ist daher zukünftig der „sanfte Tourismus“. Hierzu bedarf es u. a. folgender Grundlagen:
- Landschaftspflege durch Land- und Forstwirtschaft, sowie naturverbundene Vereine
- Bebauungspläne und Straßenbaumaßnahmen sind land­schaftsschonend zu planen und umzusetzen
- Pflege und ideelle Förderung der regionstypischen, sozialen und kulturellen Strukturen
- Befürwortung einer ausgewogenen Struktur bei Hotelneubauten und Neuansiedlungen
- Förderung und Ausbau umweltfreundlicher Energiesysteme
- Förderung und Ausbau des umweltfreundlichen Nahverkehrs

Das bedeutet im einzelnen:

1. Unterkunft von Gästen
- Verstärkte Angebote für junge Familien (Pauschalen)

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Kurverwaltung hat die Erfahrung gemacht, daß Pauschalen und die vielfältigen Angebote, wie das, von der Kurverwaltung ganzjährig angebotene Mach-Mit-Programm, von den Familien oft nicht wahrgenommen werden. Vor allen Dingen junge Familien gestalten ihren Urlaub sehr selbstständig. Insofern sind Pauschalen für junge Familien als marktfern zu bezeichnen.

Junge Familien mit schulpflichtigen Kindern können meist nur in der Hauptreisezeit in Ferien gehen. Hier ist die Nachfrage nach preiswerten Quartieren und Ferienwohnungen besonders groß. Deshalb sind viele Ferienwohnungen bereits im Vorfeld ausgebucht. Die Vermieter sind zudem nicht bereit, eigene Pauschalprogramme zu kreieren und zu verkaufen.

Besser sieht die Situation bei einigen Hotels aus, sie bieten eine ganzjährige Kinderbetreuung an. Andere Hotels bieten bei entsprechender Nachfrage eine Kinderbetreuung an.

Fazit:
Denkbar ist, die Saison auf Frühjahr und Herbst zu erweitern und hier speziell junge Familien anzusprechen, mit Angeboten wie z. B. einem Sportpaß (kostenlose oder verbilligte Nutzung von Tennisplätzen, Reithalle etc.), Kreativangebote (evtl. in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule) und der Einführung des Modells „Kurkarte = Fahrkarte" in der Nebensaison. Dies ist ein Anreiz zum Umsteigen auf den ÖPNV und gleichzeitig eine gute Imagewirkung für Freudenstadt.

2. Verkehrsanbindung der Teilorte:

2a) Möglichst dichter Taktbusverkehr in die Teilorte
2b) Mittelfristige Aufrechterhaltung eines angebotsorientierten ÖPNV
2c) Ziel: Kurkarte = Fahrkarte

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Einrichtung des Freizeitbussystems ist ein guter Ansatz. Bei genauer Betrachtung sind jedoch nur die Stadtteile Kniebis und Lauterbad im Einstundentakt an die Kernstadt angebunden. Nach Dietersweiler verkehrt der Bus im Zweistundentakt. Wittlensweiler, Grüntal, Musbach und lgelsberg werden im Dreistundentakt bedient.Die Stadt sollte auf die Einführung des Stundentakts auf allen Strecken hinwirken. Eine gute Möglichkeit der Werbung und Förderung des ÖPNV wäre das Model "Kurkarte = Fahrkarte“ Langfristig gesehen sind die Entwicklungschancen sehr gut.

3. Fremdenverkehrswerbung:


3a) Entwicklung von Werbemaßnahmen und Prospekten auf „neue Art* (erste Ansätze bei der Broschüre „Wald­spaziergang“)
3b) Betonung der Werbeinhalte „Gesundheit, Erholung, Kultur und Erkenntnisgewinn“.
3c) Formulierung neuer, alternativer Profile, um Gäste zu finden, die auf intakte Natur und gesunde Ernährung Wert legen

Stellungnahme der Verwaltung.
Die Fremdenverkehrswerbung der Stadt Freudenstadt ist dreigeteilt. Sie bezieht sich auf die Bereiche:
- Kur und Gesundheit
- Tagen im Heilklima
- Imagewerbung für die Stadt Freudenstadt.
Hauptwerbemittel für diese Aussagen sind das Ferienmagazin mit dem Hotel­ und Preisverzeichnis, sowie Prospekte, die als Imageprospekte angeboten werden. Dazu kommen Spezialprospekte für bestimmte Zielgruppen (Kur, Tagungen, Ausland).
Ab 1991 werden alle Prospekte auf Umweltschutzpapier gedruckt. Der erste Ansatz hierfür war der Prospekt "Waldspaziergang", der in Zusammenarbeit mit Umweitgruppen, Naturschützern und der Kurverwaltung erarbeitet und angeboten wurde und mittlerweile sehr gut angenommen wird. Diese Werbeaussagen von Freudenstadt werden sich stets an den Langzeittrends orientieren. Schon seit einiger Zeit haben die Aussagen von Natur und Gesundheit Priorität.

Die Werbeinhalte für „Gesundheit, Erholung, Kultur und Erkenntnisgewinn“ sind umgesetzt in Anzeigen, die in anspruchsvollen Presseobjekten geschaltet wurden, wie z. B. "Zeit", "Zeitmagazin", Fahrradfachzeitschritten, ' Spiegel" und einige Tageszeitungen. Die Werbeinhalte werden nicht nur in den Printmedien dokumentiert, sondern auch in den Aussagen bei Rundfunkwerbung und Im Innenmarketing bei Gästebegrüßungen und in Programminhalten des "Mach-Mit-Programrns".

3d) Einwirkung auf die Gastronomie, gesunde und auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Kost anzubieten

Stellungnahme der Verwaltung
Die Kurverwaltung fordert schon seit Jahren die Gastronomie auf, gesunde und auf individuelle Bedürfnisse abgestimmte Kost anzubieten. Die Kurverwal­tung kann jedoch den Gastronomen nicht vorschreiben, welche Kost sie anbieten sollen. Die Hoteliers weisen zudem darauf hin, daß die fachliche Zusatzausbildung für Diätköche sehr teuer ist und die Kosten von den Betrieben nicht übernommen werden.

Einige Restaurants in Freudenstadt haben auf ihren regulären Speisekarten Vollwertkost, Diätkost, vegetarische Angebote oder Vollwertgerichte. Führende Hotels bieten ihren Halb- und Vollpensionsgästen n den letzten Jahren vermehrt die Möglichkeit, individuelle Kost zu erhalten.

Fazit:
Die Auswahl der angebotenen Kost liegt im eigenverantwortlichen wirtschaftlichen Verhalten der Gastronomen. Die Stadt könnte hier lediglich durch Veranstaltungen und Förderung von Seminaren den Diätgedanken verbreiten.

4. Zusammenarbeit von Kurverwaltung, Gastronomie und Vereinen:


4a) Koordination und gegenseitige Abstimmung der Aktivitäten

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Kurverwaltung führt einen Terminkalender, der jedermann zur Anmeldung und Koordination zur Verfügung steht. Der Terminplan wird im November 1992 aufgestellt. Insbesondere von den Vereinen wird die Möglichkeit zur Terminkoordination kaum wahrgenommen. Die Kurverwaltung muß hier energischer darauf hinarbeiten, daß die Termine zukünftig besser abgestimmmt werden. Dies gilt insbesondere für Feste auf dem Marktplatz, da den Anwohnern die damit verbundene Lärmbelästigung nicht jedes Wochenende zugemutet werden kann. Ortsübergreifende Feste werden über den Ferienkreis terminiert.

Die Stadt könnte durch das Verbot von Einweggeschirr auf die Veranstal­tungstermine Einfluß nehmen. Sie müßte dazu ein Geschirrmobil bereitstellen, das bei Veranstaltungen an die Vereine ausgeliehen wird. Da das Angebot an Geschirr dann begrenzt wäre, müßten die Vereine ihre Termine automatisch besser koordinieren. Bei großen Festen wie z. B. beim Stadtfest können die Vereine auch das Geschirrmobil beim Landkreis oder bei umliegenden Gemeinden ausleihen.

5. Tagestourismus


5a) Die Biotopvernetzungskonzeption wird eine Aussage über ökologisch wertvolle Gebiete
treffen. Darauf aufbauend sind Schutzmaßnahmen zu prüfen.

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Stadt Freudenstadt hat verschiedene Naherholungsgebiete um die Stadt herum für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Dies gilt z. B. für den Bereich Kien­berg und Bärenwiesen. Die geplante Biotopvernetzungskonzeption wird weiter Auskunft über ökologisch wertvolle Gebiete geben. Auf diesem Konzept aufbauend kann die Stadt dann die entsprechenden Schutzmaßnahmen ergreifen.

5b) Die Stadt Freudenstadt begrüßt Verbundangebote der Deutschen Bundesbahn, wie z. B. Ski- oder Fahrradzüge

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Kurverwaltung bietet bereits Ski- und Wanderbusse an. Sowohl Gäste als auch Einheimische nutzen dieses Angebot. Skibusse und Skisonderzüge aus dem Bereich der Bundesbahndirektion Stuttgart sind mangels Akzeptanz nicht fest installiert worden.

6. Zweitwohnungsbau


Eindämmung des Zweitwohnungsbaus durch Ausschöpfen aller fiskalischen und baurechtlichen Möglichkeiten.

Stellungnahme der Verwaltung:
In Freudenstadt bestehen zur Zeit rund 740 Zweitwohnungen. Durch das Baurecht kann der Zweitwohnungsbau lediglich dadurch eingeschränkt werden, daß keine speziellen Gebiete für Ferienwohnungen ausgewiesen werden. Verhindern läßt sich der Zweitwohnungsbau jedoch nicht. Durch die Erhöhung der Zweitwohnungssteuer vom 27.11.1990 wird dem Zweitwohnungsbau entgegengewirkt. Ebenso soll damit erreicht werden, daß bestehende Zweitwohnungen vermehrt als Mietwohnungen angeboten werden. Sie sind damit nicht mehr zweitwohnungssteuerpflichtig und stehen dem Wohnungsmarkt zur Verfügung.

7. Großprojekte


Projekte sind landschafts- und städtebaulich vertraglich zu planen. Unmaßstäbliche Großprojekte sind abzulehnen, um städtebaulich unerwünschte Effekte zu vermeiden und der Gefahr zu begegnen, daß sich die heimische Bevölkerung mit den Projekten nicht mehr identifizieren kann.

Stellungnahme der Verwaltung:
Eingriffe gegen Großprojekte müssen spezifiziert gesehen werden. Großmärkte sind ausreichend vorhanden. In den neuen Gewerbegebieten wurden deshalb Einschränkungen für Einzelhandelsbetriebe festgelegt. Strukturuntersuchungen haben ergeben, daß im Innenstadtbereich von Freudenstadt ein Kaufhaus mit Schwerpunkt Textil fehlt. Diese Lücke soll mit dem geplanten Kaufhaus in der Paulinenstraße gefüllt werden. Durch dieses zusätzliche Angebot verspricht man sich die Belebung der innerstädtischen Einzelhandelssituation. Städtebaulich unerwünschte Effekte sind durch dieses Projekt nicht zu erwarten, da die architektonische Gestaltung des Baukörpers sich dem vorhandenen Umfeld anpassen rnuß.

Freudenstadt hat verschiedene historische Hotelkomplexe, die von ihren Ausmaßen her als Großprojekte bezeichnet werden können. Eine Aktivierung dieser Betriebe wäre der Neuansiedlung weiterer Betriebe vorzuziehen. Freudenstadt als Kurstadt muß jedoch die Fortentwicklung der Kur durch Ausweisung von entsprechenden Flächen im Flächennutzungsplan sichern. Die Flachen müssen so dimensioniert sein, daß ein funktionaler Hotel-, Sanatorium- und Klinikbetrieb seinen Standort finden kann. Hotels brauchen eine gewisse Größe, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Der Bau von Feriendörfern ist an ausgesuchten Einzelstandorten durchaus vorstellbar. Feriendörfer in der Hand eines einzigen Investors, der gleichzeitig sein eigener Vermarkter ist, haben ganzjährig eine gute Auslastung (z. B. Club Mediterranee ). Über die Bestimmungen im Bebauungsplan kann die städtebauliche Einbindung gesichert werden.

Fazit:
Feriendörfer sind an ausgesuchten Einzelstandorten möglich. Der Bau des Einkaufscenter in der Paulinenstraße sollte unter den genannten Voraussetzungen unterstützt werden.

Ein großer Hotelkomplex - wie das geplante Hotel Schnaidbaum - ist eine Bereicherung und Fortentwicklung für die Kurstadt.

Im Rahmen der Flächennutzungsplanfortschreibung könnten geplante Hotelstandorte im Hinblick auf städtebauliche und ökologische Gesichtspunkte noch einmal überprüft werden. Da die Stadt selbst das Gelände ausweist und für die entsprechenden Projekte zur Verfügung stellt, kann im Vorfeld weitgehend auf städtebauliche Effekte und soziale Vertrag­lichkeit Einfluß genommen werden.

8. Kleingewerbe und Kleinhandel:

8a) Erhalt, Wiederansiedlung und Förderung des Kleinhandwerks im innerstädtischen Bereich
8b) Besondere Unterstützung in verkehrsberuhigten Bereichen und Fußgängerzonen

Stellungnahme der Verwaltung:

Durch die Anlage von verkehrsberuhigten Bereichen und Fußgängerzonen wurde die Attraktivität der Innenstadt gesteigert. Dies brachte eine gesteigerte Wohnnutzung des Kernstadtbereiches und damit auch die Erhaltung und Wiederansiedlung von Kleingewerbe und Kleinhandel im innerstädtischen Bereich mit sich. Eine Aktivierung dieses Bereichs soll auch erzielt werden durch die Einschränkung des Einzelhandels in den neu ausgewiesenen Gewerbegebieten.

8c) Demonstration verschiedener Handwerksberufe
8d) Förderung neuer Beziehungen zwischen Käufer/in, Ware und Händler/in

Stellungnahme der Verwaltung:

Im Rahmen des Mach-Mit-Programms stellt die Kurverwaltung alte Handwerksberufe vor.

Sie bietet für den Gast auch die Möglichkeit, in verschiedenen Kursen (z. B. Brot backen, Herstellung von schwäbischen Spezialitäten und ähnliches), selbst aktiv zu werden. Da diese Programme von den Gästen gut angenommen werden, sollte das Angebot ausgeweitet werden.

9. Gesundheitswesen:

9a) Zusammenarbeit auf dem Gesundheitssektor (Atmen, Ernährung, Naturheilkunde, Gymnastik
und anderes) mit den Gästen

Stellungnahme der Verwaltung:

Auf dem Gebiet des Gesundheitswesens im weiteren Sinne besteht ein breites Angebot. Dies ist für Gäste und Einheimische offen. Teilweise wird mit den Krankenkassen und Vereinen zusammengearbeitet.

Unter dem Stichwort Zusammenarbeit mit den Gasten sind besonders anzuführen die Bewegungsrunde auf der Liegewiese Kienberg, die Wirbelsäulengymnastik, das Angebot "gesellige Tänze", die Übungsreihen über Naturheilkunde und die verschiedenen Wanderangebote der Kurverwaltung. Vortröge über Gesundheitsbildung werden auch in den Ortsteilen angeboten.

Dieses Programm sollte beibehalten werden, ggf. weiter ausgebaut werden.

9b) Einbeziehung biologischer Anbaumethoden in die Kurangebote und Integration in die
Werbung, Vernetzung zwischen biologischen Landbau und Tourismus

Stellungnahme der Verwaltung:

Eine Einbeziehung biologischer Anbaumethoden ist am ehesten beim Mach­-Mit-Angebot der Kurverwaltung und zwar dem Kurs "Brot backen" gegeben.
Hier könnte biologisch angebautes Getreide verwendet werden und in einem kurzen Theorieteil der besondere Anbau erläutert werden. Ideale Verknüp­fungsmöglichkeiten ergeben sich bei Ferien auf dem Bauernhof. Die Stadt hat jedoch auf das Fremdenverkehrsangebot der Bauernhöfe nur wenig Einflußmöglichkeiten.

9c) Angebot von Vorträgen im Bereich physiologischer und psychologischer Betreuung und
Weiterbildung über die Veranstaltungsreihen der Erwachsenenbildung, auch durch
Privatinitative.

Stellungnahme der Verwaltung:
Das geforderte Angebot von Vortragen im Bereich physiologischer und psychologischer Betreuung und Weiterbildung wird ebenfalls verstärkt angeboten. Dazu zahlen wir nicht nur die Bereiche der Kurseelsorge, die in Freudenstadt ökumenisch abgehalten werden und ein harmonisches Miteinander nicht nur im Angebot bringen, sondern auch kreative Angebote wie Quigong, Stoffmalerei und Töpfern.

Ebenfalls aufgenommen haben wir die Kurse der Kreisvolkshochschule Freudenstadt.
Im Bereich physiologischer Betreuung werden im Kurmittelhaus Angebote vorgehalten und durchgeführt.

nach oben Energie

Die Stadt Freudenstadt wirbt auch weiterhin durch ihr eigenes Verhalten für sparsamen und sinnvollen Energieeinsatz.

Folgende Maßnahmen auf dem Sektor Energie werden angestrebt:

1. Energieerzeugung:


1 a) Ermittlung von Möglichkeiten für den Bau von Blockheizkraftwerken zwecks Wärme- und Stromverbund in öffentlichen Gebäuden, Neubaugebieten und bei Altstadtsanierungen (Wärmeatlas)

Stellungnahme der Verwaltung:
Die aufgeführten Blockheizkraftwerkeinsatzmöglichkeiten und die Nutzung von regenerativen Energiesystemen wurden im Wärmeversorgungskonzept für die Stadt Freudenstadt untersucht.

1 b ) Die Stadt Freudenstadt propagiert den Einsatz von Sonnenkollektoren und schafft dafür die baurechtlichen Voraussetzungen außerhalb des Gebietes der Erhaltungssatzung

Stellungnahme der Verwaltung:
Für die solare Stromerzeugung hat die Bundesregierung das so genannte "Tausenddächerprogramrn“ aufgestellt. Die Förderrichtlinien sind hierzu bei den Stadtwerken Freudenstadt erhältlich.
In den neuesten Bebauungsplänen ist die Installation von Sonnenkollektoren zulässig. Eine Installation auf öffentlichen Gebäuden muß im Einzelfalle nach Standort betrachtet werden. Im Kernstadtbereich, im Bereich der Erhaltungssatzung, sollte jedoch von dieser Möglichkeit Abstand genommen werden, um das geschlossene einheitliche Stadtbild nicht zu beeinträchtigen.
Eine Energieberatung zur Installation von Solaranlagen kann hier sehr viel bewirken. Vorstellbar ist auch die Information der Öffentlichkeit durch eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken und der EVS. Eine stärkere Einflußnahme wäre nur durch direkte finanzielle Förderung der Installation von Photovoltalkanlagen möglich.

2. Energieeinsparung:

2a) Ermittlung und Propagierung von Energieeinsparmöglichkeiten, auch öffentliche
Gebäude betreffend, durch die Stadtwerke

Stellungnahme der Verwaltung:
An städtischen Gebäuden wurden in den letzten Jahren verschiedene Ener­gieeinsparmöglichkeiten verwirklicht (z. B. Thermostatventile, Einbau von Brennwertkesseln, Wärmedämmung usw.) Bei künftigen Baumaßnahmen wird die Energieeinsparung eingeplant.
Auf dem privaten Sektor könnte die Ermittlung und Propagierung von Energieeinsparmöglichkeiten in der noch einzurichtenden Beratungsstelle bei den Stadtwerken in Zusammenarbeit mit der EVS erfolgen.

2b) Propagierung von Heizungssystemen mit hohem Wirkungsgrad, etwa Niedertemperatur und Brennwertkessel

Stellungnahme der Verwaltung:
Bis zum 31.12.1991 wurde der Einbau von Heizungssystemen mit hohem Wirkungsgrad durch Steuervergünstigungen bundesweit gefördert. Die Installation von verbrauchsgünstigen Heizsystemen liegt im Interesse des Hauseigentümers. Die Verwaltung hält deshalb eine finanzielle Individualförderung für nicht erforderlich und finanziell nicht durchführbar.

2c) Beachtung von Energieeinsparmöglichkeiten auch im Sanierungs- und Modernisierungsbereich

Stellungnahme der Verwaltung:
Im PES-Gebiet werden Energieeinsparmöglichkeiten bei der Sanierung über Sanierungsdariehen gefördert. Eine Förderung im gesamten Stadtgebiet halt die Verwaltung für nicht praktizierbar (vgl. 2b).

Bei der Sanierung und Modernisierung städtischer Gebäude werden Energieeinsparmöglichkeiten bereits berücksichtigt. >

nach obenVerkehr

Angesichts des sich abzeichnenden Verkehrsinfarktes setzt sich langsam die Erkenntnis durch, daß mit den herkömmlichen Mitteln der Verkehrspolitik die wachsende Autoflut und die damit verbundene Umweltbelastung nicht mehr eingedämmt werden können. Neben qualitativen Verbesserungen am Straßennetz und Automobil sind Wege zu suchen, die Lebensqualität in den Innenstädten und Wohngebieten zu sichern bzw. wiederherzustellen.

Appelle an die Selbstdisziplin der Autofahrer/innen mögen hierbei helfen. Aber auch Zwangsmaßnahmen müssen erwogen und umgesetzt werden. Um weitere Zersiedlung der Landschaft und der dadurch wachsenden Verkehrsflut zu begegnen, soll die künftige Bauleitplanung die größtmöglichste Einheit von Wohnen und Arbeit anstreben.

1. Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV):


1 a) Ausbau des ÖPNV unter kommunaler Koordination (Auch über die kommunalen Spitzenverbände soll auf eine Änderung des bestehenden Konzessionsrecht hingewirkt werden, siehe Kapitel Tourismus)

Stellungnahme der Verwaltung:
Der öffentliche Personennahverkehr wird derzeit vom Landkreis Freudenstadt durch die Einführung des Freizeitbusses ausgebaut. Die Forderung nach einer Änderung des bestehenden Konzessionsrechtes wird unterstützt.

1 b) Bedarfsgerechtes Angebot von Spatbussen oder Ruftaxen

Stellungnahme der Verwaltung: Zunächst hat der Landkreis Freudenstadt mit seinem Freizeitbus ein Angebot bereitgestellt. Die letzten Busse verkehren auf den Freizeitlinien zwischen 23.00 Uhr und 0.00 Uhr. Dieses Angebot sollte aufrechterhalten bzw. ausgeweitet werden. Dies ist jedoch vom Benutzerverhalten abhängig. Insoweit ist eine zusätzliche Werbung für den ÖPNV unbedingt notwendig.

2. Umweltkarte:


2a) Einführung einer übertragbaren Umweltkarte für alle
Verkehrsmittel im Stadtgebiet

Stellungnahme der Verwaltung.
Die vom Landkreis eingeführte Umweltpunktekarte ist übertragbar. Dies bedeutet eine Ersparnis von 20 % für Fahrten auf allen Werktags- und Freizeitlinien im Landkreis Freudenstadt.
Der Freizeitpaß und die Umweltjahreskarte sind aus Kostengründen nicht übertragbar gestaltet worden. Um die Akzeptanz des ÖPNV noch mehr zu fördern, sollten diese Karten jedoch auch übertragbar ausgestattet werden.

Für Wanderer und Skiläufer wäre zudem eine Kleingruppentageskarte interessant.

2b) Gewährung von Ermäßigungen für Besitzer/Innen der Umweltkarte bei allen öffentlichen Veranstaltungen

Stellungnahme der Verwaltung-
Dieser Vorschlag ist sehr gut durchzuführen. Neben der Ausgabe des Freizeitpasses oder der Umweltkarte in Kombination mit der Kurkarte könnte auch noch ein anderes Modell angewendet werden. Den Besuchern einer Veranstaltung wird bei Vorlage der Bus- oder Bohnfahrkarte ein Teil des Eintrittspreises an der Kasse erstattet. Da die Besucher bei Anreise mit öf­fentlichen Verkehrsmitteln auch keine Parkgebühren einkalkulieren müssen, ist dies ein sehr guter Anreiz, zumindest gelegentlich, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.

3. Förderung der Eisenbahn:

3a) Haltestellen für den Schienenverkehr, Erhöhung der Frequenz (Stundentakt), Ausbau des
ÖPNV-Knotenpunktes Stadtbahnhof

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Verwaltung unterstützt diese Forderung. Zusätzliche Haltestellen für den Schienenverkehr müssen jedoch aufgrund von Sicherheitsbestimmungen bahnhofsmäßig ausgebaut werden.
Eine Erhöhung der Frequenz dürfte sich als sehr schwierig erweisen, solange die Zuständigkeit im Bereich der Bundesbahn liegt. Die einzigen Einflußmög­lichkeiten waren hier Appelle an die Bundesbahn und verstärkte Werbung für die Anreise mit der Bahn.
Der ÖPNV-Knotenpunkt am Stadtbahnhof dürfte mit derzeit 13 Haltestellen ausreichend ausgebaut sein. Zusätzliche Individiualparkplätze verstärken die Bedeutung des Knotenpunktes

3b) Materiallieferungen für die Stadt (von Kreis und Land) per Bahn

Stellungnahme der Verwaltung
Grundsätzlich könnte in jeder öffentlichen Ausschreibung darauf hingewiesen werden, daß das Material per Bahn angeliefert werden soll. Die Materiallieferung per Bahn bringt jedoch einen höheren Kostenaufwand als herkömmliche Transporte mit sich.
Eine Anlieferung mit der Bahn bringt jedoch noch andere Schwierigkeiten mit sich. So werden im Bereich des Hochbauamtes die Materialien von den Firmen selbst beschafft. Eine Kontrolle über den Anlieferungsweg erscheint nicht durchführbar. Im Bereich des Tiefbauamtes werden viele Güter im Kreis Freudenstadt bezogen. Das Umladen von der Lieferfirma auf die Bahn und von der Bahn auf den LKW, der das Gut dann zur Baustelle transportiert, ist sehr zeit- und personalaufwendig. Dies macht die Anlieferung per Bahn auf jeden Fall sehr viel teurer.
Zusätzlich transportiert die Bahn erst ab einer größeren Menge.
Die Anlieferung per Bahn beeinflußt auch die Terminplanung, so daß mit einem größeren Zeitbedarf für die Koordinierung mit der Bundesbahn gerechnet werden muß. Die Bauzeit verlängert sich dadurch. Es stellt sich die Frage, ob die Umweltschädigungen, die durch die länger dauernde Installation von Baustellenampeln und Umleitungen verursacht werden, nicht größer sind, als die Umweitschädigungen, die beim Transport per LKW entstehen.

Fazit:
Die Materiallieferung per Bahn ist bis jetzt die Ausnahme. Die Stadtwerke planen den Erwerb eines Geräteschuppens am Hauptbahnhof. Diese Lagermöglichkeit am direkten Zielpunkt erleichtert die Anlieferung mit der Bahn, da dann transportgerechte Mengen bestellt und gelagert werden können. Die Verwaltung befürwortet, die Mehrkosten für die Benutzung der Bahn effektiver direkt In Bauvorhaben, die dem Umweltschutz dienen, zu investieren.

4. Verkehrsberuhigung:

4a) Bekräftigung des städtischen Planes

Stellungnahme der Verwaltung:
In Zusammenhang mit dem Planungsfall 18 des Ingenieurbüros Hinterleitner hat die Stadtverwaltung einen Verkehrsberuhigungsplan im Hinblick auf die Tunnellösung erarbeitet. Dieser Plan wird derzeit stufenweise umgesetzt.

Bis auf die Durchgangsstraßen sind in der Kernstadt von Freudenstadt überall Tempo-30-Zonen oder verkehrsberuhigte Bereiche eingerichtet. Dies soll auch in Neubaugebieten so gehandhabt werden. Auch in den Stadtteilen sind Tempo-30-Zonen eingeführt.

4b) Entschärfung von „Rennstrecken“

Stellungnahme der Verwaltung:
In Freudenstadt und den Stadtteilen werden flachendeckend 30-km-Zonen eingeführt. Diese werden systematisch mit einem stadteigenen Radarfahrzeug überwacht.
Durch bauliche Maßnahmen wird dem Rasen entgegengewirkt. So werden z. B. die Landhausstraße und die Hartranftstraße auf dem Kienberg im Querschnitt verengt. In Lauterbad konnte nach dem Ausbau der Umgehung die Kinzigtalstraße für den Durchgangsverkehr nach Loßburg gesperrt werden. Die Straße wurde im Querschnitt verengt und mit gestalterischen Maßnahmen rückgebaut. In Dietersweiler soll die Schwarzwaldstraße im Rahmen des Dorfentwicklungsprogramms vollständig rückgebaut werden.

4c) Kontrolle durch mehr städtische Beamte und Beamtinnen (insbesondere kommunale Geschwindigkeitsmessung) „Black-Box-Modell“, Falschparkkontrollen

Stellungnahme der Verwaltung:
In den letzten Monaten wurden zwei zusätzliche Vollzugsbeamte eingestellt. Geschwindigkeitsmessungen werden täglich - ausgenommen an Sonn- und Feiertagen - mit einem eigenen Meßwagen durchgeführt. Das geforderte Block-Box-Modell erweist sich nach Auskunft des Ordnungsamtes innerhalb kürzester Zeit als wirkungslos, da sich die Autofahrer daran gewöhnen. Der ruhende Verkehr wird ebenfalls jeden Werktag kontrolliert. Besondere Beachtung finden dabei die verkehrsberuhigten Bereiche in der Innenstadt.

4d) Anlegung von Straßen in Neubaugebieten nur in Tempo 30 oder als verkehrsberuhigter Bereich; Anhörung und Beteiligung der Anwohner/innen bei baulichen Änderungen

Stellungnahme der Verwaltung:
Straßen in Neubaugebieten werden - abhängig von der jeweiligen Verkehrssituation - bevorzugt als 30-km-Zonen oder verkehrsberuhigte Be­reiche ausgebaut.
Damit verbunden ist auch flächensparender Straßenbau, da Straßen in denen nur langsam gefahren werden darf, nicht so breit ausgebaut werden müssen. Bei der Planung von Neubaugebieten werden diese Punkte im Bebauungsplanverfahren berücksichtigt. Bei baulichen Veränderungen vorhandener Straßen werden die Planungen in den zuständigen Gremien behandelt und bei den Bürgerbeteiligungen den Betroffenen vorgestellt und mit diesen abgestimmt.

Fazit
Die Stadt nimmt hier ihre Planungshoheit wahr.

Es sollte jedoch darauf geachtet werden, daß nicht nur Geschwindig­keitsbegrenzungen aufgestellt werden, sondern diese auch durch bauliche und gestalterische Maßnahmen unterstützt werden.

5. Förderung des Radfahrens im Stadtbereich:

5a) Beschleunigter Weiterbau des bisher nur in Ansätzen vorhandenen städtischen
Radwegenetzes
5b) Anbindung aller Teilorte mit Fahrradwegen

Stellungnahme der Verwaltung:
Der Radverkehr im Stadtbereich soll gefördert werden. Es ist vorgesehen, sämtliche Teilorte an die Kernstadt mit Fahrradwegen anzubinden. Der Technische Ausschuß hat am 04.06.91 die Erstellung eines Verkehrs­entwicklungsplanes an die Ingenieurgemeinschaft VSL vergeben. Hierbei ist das vorhandene Radverkehrsnetz darzustellen, unterschieden nach folgenden Kriterien:

- Eigenständige Radwege
- Kombinierte Geh- und Radwege
- Mitbenutzung der Fahrbahn

Auf dieser Grundlage wird eine Mangelanalyse durchgeführt, die den Aufbau eines vollständigen Fahrradwegenetzes ermöglicht.

6. Umstieg auf umweitfreundliche Verkehrsmittel:

Schaffung von Anreizen für Arbeitnehmer/innen beim Weg zur Arbeit (und zurück) auf ÖPNV, Fahrrad und andere umweltfreundliche Möglichkeiten umzusteigen.

Stellungnahme der Verwaltung:
Für Dienstfahrten innerhalb der Stadt werden drei Diensträder mit Fahrradkorb oder Satteltaschen angeschafft.
Zum Besuch von Seminaren und weiter entfernten Zielen hat die Stadt bei der Bundesbahn eine Großkundenkarte erworben und schafft hierdurch Anreize, bei Dienstfahrten auf den Pkw zu verzichten.
Zur Zeit untersucht die Verwaltung, ob eine Subventionierung von ÖPNV­-Karten für Arbeitnehmer/innen der Stadt für den täglichen Arbeitsweg in Frage kommt.

nach obenMüll

Oberstes Ziel, auch kommunaler Abfallpolitik, muß die Müllvermeidung sein. Müllverbrennung, Mülltourismus, überquellende Deponien, Müll- und Sondermülltransporte haben gewichtige Nachteile. Es werden daher folgende Schritte vorgeschlagen:

1. Feste und Märkte:

1a) Keine Verwendung von Einweggeschirr beim Stadtfest und Weihnachtsmarkt,
entsprechende Empfehlungen bzw. Auflagen auch für die Feste von einzelnen Vereinen

Stellungnahme der Verwaltung:
Beispielhaft anzuführen ist das Kurgartenfest "LUKULL", bei dem die Verwendung von Mehrweggeschirr zwingend vorgeschrieben ist. Durch die Anschaffung eines städtischen Geschirrmobils könnte die Stadt den Vereinen die Entscheidung erleichtern, bei Vereinsfesten Mehrweggeschirr zu verwenden. Eine andere Möglichkeit wäre die Verwendung von eßbarem oder kompostierbarem Einweggeschirr. Demgegenüber ist Mehrweggeschirr jedoch vorzuziehen, da die Müllvermeidung hierbei konsequenter ist.
Beim Stadtfest könnten Standplätze nur mit der Auflage, Mehrweggeschirr zu verwenden, vergeben werden. Dies wird in anderen Städten bereits mit Erfolg praktiziert. Die Stadt sollte dann entsprechende Spülzentren, verteilt auf den ganzen Festbereich, bereitstellen.

1 b) Bereitstellung von Wasseranschlüssen und technischen Einrichtungen (beispielsweise
eines Geschirrmobils) durch die Stadt

Stellungnahme der Verwaltung:
Beim Bau der Marktplatztiefgarage wurden die entsprechenden Versorgungsleitungen und Abwasserleitungen bereits eingebaut. Somit sind alle Voraussetzungen für die Verwendung von Geschirrmobilen geschaffen.
Die Stadt könnte ein Geschirrmobil entweder selbst anschaffen oder den Vereinen Zuschüsse zur Anschaffung von Spülzentren oder eigenen Geschirrmobilen gewahren.

2. Verpackungsmüll:

2a) Einwirken der Stadt- und der Kurverwaltung auf die gastronomischen Betriebe, auf Einwegverpackung zu verzichten (insbesondere beim Frühstück und bei Proben von Toilettenartikeln) und den täglichen Handtuchwechsel vom Wunsch der Gäste abhängig zu machen

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Bereitschaft, auf Portionspackungen zu verzichten, ist bei den gastro­nomischen Betrieben und bei den Gasten vorhanden. Dem stehen aber Hygienefragen und Vorschriften des Wirtschaftskontrolldienstes gegenüber. Der Verwendung von Spendern statt Waschartikelproben stehen nicht die strengen Vorschriften des Lebensmittelrechts gegenüber.
Nach einer Aktion des Hotels- und Gaststättenverbandes Baden-Württemberg verzichten einige Gastronomen auf Waschartikelproben und verwenden statt dessen Spender. Der Handtuchwechsel nach dem Wunsch der Gäste ist in allen größeren Häusern üblich.

Fazit:
Sowohl Gastronomie als auch Besucher haben ein offenes Ohr für Umweltprobleme. Die Stadtverwaltung kann ihren Einfluß im Fremdenverkehrsverband Schwarzwald dahingehend geltend machen, daß diesem Themenkreis mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.

2b) Verbot für Getränkeeinwegverpackungen in städtischen Schulen und öffentlichen städtischen Gebäuden. Pflicht zur Mülltrennung.

Stellungnahme der Verwaltung:
Im Kurhaus und in städtischen Schulen werden keine Getränkeeinwegverpackungen verwendet. Die Mülltrennung ist vorgeschrieben und wird weitestgehend praktiziert. Bestehende Getränkeautomaten sollten - soweit dies noch nicht geschehen ist - auf Mehrwegflaschen sowie Gläser oder Tassen umgerüstet werden.

Der Zielerreichungsgrad der Bürocheckliste bezüglich Beschaffungen sollte überprüft werden.

2c) Plädoyer an den Städte- und Gemeindetag auf Einführung einer Steuer für
Einwegverpackungen

Stellungnahme der Verwaltung:
Eine Steuer für Einwegverpackung scheitert aus Rechtsgründen.
Von ihrem Charakter her wäre diese Steuer den örtlichen Verbrauchssteuern zuzuordnen. Es fehlt jedoch am örtlichen Wirkungskreis, da nicht sichergestellt ist, daß die Ware an Ort und Stelle oder zumindest im Gemeindegebiet verbraucht oder verzehrt wird.

2d) Bitte an den Handels- und Gewerbeverein um Mitarbeit bei der freiwilligen Beschränkung von Verpackungen

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Einführung der Verpackungsverordnung zeigt bereits Auswirkungen im Bereich Freudenstadt. So hat z. B. eine Firma im Kreis Freudenstadt eine Verpackung für Klebstoff entwickelt, die nur aus Pappe besteht, statt wie bisher Pappe mit aufgeschweißtem Kunststoff.

Flankierend zur Verpackungsverordnung könnte der Gemeinderat mit einem öffentlichen Brief an das Umweltbewußtsein der Mitglieder des Handels- und Gewerbevereins appellieren.

3. Bauschuttrecycling:

3a) Auflagen zur Mülltrennung und -beseitigung bei Ausschreibungen und
Baugenehmigungen

Stellungnahme der Verwaltung:
Bei der Ausschreibung von Abbrucharbeiten werden den Ausschreibungsunterlagen prinzipiell die Vorgaben des Landkreises für Bauschuttbeseitigung beigefügt und sind Bestandteil der Ausschreibungen.

3b) Vorsorge, daß wiederverwertbare Baumaterialien bei Umbau oder Abriß von Gebäuden öffentlich angeboten werden, etwa Holz bei einer Tauschbörse

Stellungnahme der Verwaltung:
Bei städtischen Arbeiten wird wiederverwertbares Material von der Stadt selbst wiederverwendet. Auf das Verhalten von Privatleuten besteht jedoch wenig Einflußmöglichkeit.

4. Neubaugebiete/Baumaßnahmen:

4a) Masseausgleich mit dem Ziel der Vermeidung neuer Erddeponien

Stellungnahme der Verwaltung:
Soweit die Topographie einen Massenausgleich bei der Straßenplanung zuläßt wird dieser auch vorgesehen. Der Massenausgleich bei privaten Baumaßnahmen liegt im Interesse des Bauherrn, da die Abfuhr und Lagerung auf der Deponie teurer kommt als der Masseausgleich.

4b) Plädoyer der Stadt für die Verwendung biologischer Baustoffe.

Stellungnahme der Verwaltung:
Bei Baumaßnahrnen der Stadt selbst, wird darauf geachtet, daß die biologischen Baustoffe zum Einsatz kommen, wie z. B. Holz oder Ziegel.
Eine Beratung von Bauherren und Architekten könnte bei der noch einzurichtenden Energieberatungsstelle der EVS in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken angegliedert werden. Die Stadt könnte auch eine Ausstellung zu diesem Thema ausrichten. Der Hinweis auf biologische Baustoffe bei der Vorlage einer Bauvoranfrage oder eines Bauantrags wird wenig Erfolg haben, da die Bauherren dann das Baumaterial meist schon ausgewählt haben.

4c) Vermeidung FCKW-geschäumter Bau- und Bauhilfsstoffe und von Techniken, die mit FCKW verbunden sind.
4d) Anwendung der hier angeführten Grundsätze insbesondere bei von der Stadt veranlaßten
oder durchgeführten Baumaßnahmen.

Stellungnahme der Verwaltung:
Bei Hochbaumaßnahmen der Stadt Freudenstadt wird darauf geachtet, daß FCKW-haltige Bau- und Bauhilfsstoffe nicht verwendet werden. So wird in den Ausschreibungen ausdrücklich vermerkt, daß umweltfreundliche Materialien zu verwenden sind. Im Aufgabenbereich des Tiefbauamtes erfolgt die Mate­rialauswahl mit Hilfe von DIN-Listen. Bereits im Oktober 89 wurden Pech oder pechhaltige Stoffe im Straßenbau ausgeschlossen.

Fazit:
Bei Baumaßnahmen der Stadt werden FCKW-geschäumte Bau- und Bauhilfsstoffe vermieden.
Die Verwaltung sieht jedoch keine rechtliche Handhabe, privaten Bauherren die Verwendung von FCKW-geschäumten Baustoffen zu verbieten.
Es besteht lediglich die Möglichkeit über Beratung und Appelle einzugreifen.


5. Bio- und Friedhofsmüll:

5a) Vermeidung von Plastik in Kränzen und ähnliches auf dem Friedhof, um den ganzen Friedhofsmüll kompostieren zu können.
5b) Aufnahme dieser Forderung in die Friedhofssatzung

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Mülltrennung auf dem Friedhof wird bereits praktiziert. Der Fried­hofsbesucher ist aufgefordert, seinen Friedhofsmüll getrennt zu deponieren, damit der anfallende pflanzliche Friedhofsmüll kompostiert werden kann. Um diese Kompostierung zu erleichtern - oder überhaupt erst zu ermöglichen -sollte Plastik in Kränzen oder Gestecken nicht zugelassen werden. Ebenfalls verboten werden sollte Styropor. Die Floristen müssen dann auf anderes Material, das leicht zu kompostieren ist, wie z. B. Reisigzweige, zurückgreifen.

Um dieser Forderung Gewicht zu verleihen, ist eine Aufnahme in die Friedhofssatzung unerlässlich, Fortführung und Ausweitung der getrennten Mülleinsammlung und Weiterentwicklung des Recyclings, Ausdehnung der Öffnungszeiten im Recyclingcenter.

Stellungnahme der Verwaltung:
Der Betrieb des Recyclingcenters liegt im Zuständigkeitsbereich des Landkreises. Die Öffnungszeiten im Recyclingcenter können aus technisch organisatorischen Gründen nicht ausgeweitet werden, da die Zeit von Montag bis Donnerstag benötigt wird, um die übers Wochenende angelieferten Wertstoffe zu entsorgen. Freudenstadt Ist bislang das einzige Recyclingcenter im Landkreis, das Freitag vormittags geöffnet hat. Falls die Stadt ein geeignetes Gelände zur Verfügung hat, könnte hier ein zweites Recyclingcen­ter entstehen.

Die Mülleinsammlung liegt ebenfalls in der Zuständigkeit des Landkreises.
Lediglich der Restmüll, der nicht über die bereitstehenden Container oder das Recyclingcenter entsorgt werden kann, wird mit Biomüll vermischt eingesam­melt. Ansonsten werden alle Müllfraktionen getrennt. Es erscheint daher nicht sinnvoll, daß die Stadt die Mülleinsammlung selbst durchführt.

nach obenWasser

Von allen auf unserem Planeten vorkommenden chemischen .Verbindungen ist Wasser die häufigste und - wenn die jetzige Entwicklung anhält - wohl auch bald die wertvollste und teuerste. In unserem Bewußtsein herrscht noch tief verwurzelt die Vorstellung vom unerschöpflichen jederzeit verfügbaren und sauberen, kühlen Naß. Die Regionen, in denen es an Wasser mangelt, sind weit entfernt. Wir sind der festen Überzeugung, wir hätten genug Wasser und gehen entsprechend mit ihm um: Jeder von uns verbraucht heute schon täglich etwa 160 l Wasser ! Wir müssen endlich lernen, sparsamer und verantwortungsvoller mit diesem kostbaren Gut umzugehen. Auch die Kommune ist hierbei gefordert; deshalb sollten folgende Maßnahmen speziell auf kommunaler Ebene durchgeführt werden:

1 . Einschränkung der zunehmenden Entwasserung der Landschaft:

1 a) Grundsätzlich keine Verdolung von Gräben und Wasserläufen, sondern offene unbegradigte naturnahe Gestaltung

Stellungnahme der Verwaltung:
Für die Verdolung von Gräben und Wasserläufen ist heute keine wasserrechtliche Genehmigung mehr zu erhalten. Die noch ausgestellten wasserrechtlichen Genehmigungen beziehen sich auf unumgängliche Straßen oder Wegeunterquerungen.

1 b) Rückbau von Bachausbauten/Wiederherstellung natürlicher Gewässerläufe

Stellungnahme der Verwaltung:
Bachausbauten werden nur beidseitig von Brücken vorgenommen und in Naturstein ausgeführt. Der Rückbau von Bachausbauten ist sehr kostenintensiv und kann daher nur mit Zuschüssen des Landes finanziert werden.
Im Rahmen der noch zu erstellenden Biotopvernetzungskonzeption und deren Durchführung ist auch die Wiederherstellung natürlicher Gewässerläufe denkbar. Hierzu gibt das Land hohe Zuschüsse.

1 c) Zurverfügungstellen von Retentionsräumen

Stellungnahme der Verwaltung:
Um Retentionsräume im Glattal zu schaffen, ist vorgesehen, einen Wasser-­Boden-Verband "Glatt" zu gründen. Die benachbarten Landkreise Rottweil und Freudenstadt arbeiten hierbei zusammen. Handlungsbedarf entstand vor allem zur Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen. Durch das Anlegen von landschaftsvertraglichen Dämmen und ähnlichen Maßnahmen werden jedoch auch Überflutungsräume geschaffen.

1d) Schutz der natürlichen Wasserspeicher (etwa Erhalt von Feuchtwiesen)

Stellungnahme der Verwaltung:
Immer mehr Bachauen und Feuchtwiesen werden zu Landschaftsschutz- bzw. Naturschutzgebieten erklärt. Sie werden dadurch in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten. Der Erhalt von Feuchtwiesen ist auch Bestandteil der Biotopvernetzungskonzeption.

2. Schutz der Wasservorräte:

Soweit Vorschriften des Ortsrechts einer gesundheitlich unbedenklichen Verwendung von Regenwasser entgegenstehen, müssen diese beseitigt werden.

Stellungnahme der Verwaltung:
Unproblematisch ist die Verwendung von Regenwasser zur Gartenbewässerung. Im geplanten Baugebiet Manbachsiedlung ist der Einbau von Zisternen ausdrücklich erlaubt.
Die Verwendung von Brauchwasser ist nach einer Stellungnahme des staatlichen Gesundheitsamtes Tuttlingen vom 07.02.91 (auf eine Anfrage der Stadt Spaichingen) problematisch. Häusliches Abwasser kann demnach mit Krankheitserregern belastet sein. Die Aerosolbildung während der Toilet­tenspülung kann, bedingt durch bakterielle oder chemische Substanzen, besonders bei kleinen Kindern zu einer Erkrankung über die Atemwege führen.
Häusliches Abwasser ist mit Reinigungs-, Spül- und Waschmitteln, sowie organischen Inhaltsstoffen belastet. Deshalb kann es schnell in einen fäulnisfähigen Zustand übergehen. Hierdurch besteht die Gefahr einer Geruchsbelästigung und der Verstopfung der Absperrventile.
Durch die Belastung mit den Inhaltsstoffen können auch Allergien ausgelöst werden.
Bei einer Verwendung von Regenwasser muß beachtet werden, daß das eingesammelte Regenwasser mikrobiell und chemisch belastet sein kann. Das Gesundheitsamt Tuttlingen röt deshalb davon ab, Zisternenwasser für die WC­-Spülungen in Kindergärten zu verwenden.
Beim Einsatz von Regenwasser im Haushalt ist eine Reihe von technischen Vorschriften zu beachten. Nach der Trinkwasserverordnung dürfen die Wasser­versorgungsanlagen, aus denen Trinkwasser abgegeben wird, nicht mit Wasserversorgungsanlagen verbunden werden, aus denen Regenwasser abgegeben wird. Zu beachten ist DIN 1988, wonach der Anschluß nur über einen Rohrunterbrecher (nicht Rohrtrenner) oder bei freiem Einlauf erfolgen darf.

Zudem müssen die Leitungen unterschiedlicher Wasserversorgungssysteme, soweit sie nicht erdverlegt sind, farblich unterschiedlich gekennzeichnet sein.
Es muß gesichert sein, daß auch unter ungünstigen Verhältnissen kein Regenwasser in das öffentliche Netz oder die Trinkwasserinstallation zurückfließen kann.
Nach einer Umfrage des Gemeindetags Baden-Württemberg sind in 63 Städten und Gemeinden Regenwasserzisternen vorhanden, bei denen das gesammelte Regenwasser im Haushalt als Brauchwasser Verwendung findet. Von 25 Städten und Gemeinden wird der Bau von Regenwasserzisternen bezuschußt. Die Höhe des Zuschusses liegt zwischen 250,-- DM und 4.000,-­DM.

Nach der Wasserversorgungssatzung der Stadt Freudenstadt besteht Anschluß- und Benutzungszwang. Die Stadtverwaltung müßte demnach die Betreiber von Brauchwasserzisternen vom Benutzungszwang nach 5 der Wasserversorgungssatzung befreien. Hierbei hätte sie auch die Möglichkeit, die Einhaltung der technischen Vorschriften zu überprüfen.

2b) Hinarbeiten auf geschlossene Brauchwassersysteme in Betrieben

Stellungnahme der Verwaltung:
Das Landratsamt weist bei der Genehmigung von betrieblichen Anlagen auf die Möglichkeit eines geschlossenen Brauchwassersystems hin.

So werden viele Autowaschanlagen heute schon mit einem geschlossenen Wasserkreislauf betrieben.
Im Tiefbausektor kommen jetzt die ersten Kanalspülwagen mit Wasserrückführung zum Einsatz. Das Tiefbauamt wird jetzt verstärkt solche Fahrzeuge für die Reinigung der Kanäle vor Kamerabefahrungen anfordern.

2c) Öffentlichkeitsarbeit zum sparsamen Wasserverbrauch

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Öffentlichkeitsarbeit für einen sparsamen Wasserverbrauch könnte ein Teilarbeitsbereich der Energieberatung sein.

3. Schutz des Grundwassers:

3a) Beratung der Landwirte zur Verringerung der Stickstoffdüngung und des
Pestizideinsatzes

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Stadt selbst hat keine Fachleute für eine entsprechende Beratung. Beim Landwirtschaftsministerium wurde im Frühjahr 1991 ein landesweiter Informati­onsdienst innerhalb und außerhalb von Wasserschutzgebieten eingerichtet, der laufend Informationen für die Praxis gibt. Geräte zur Entnahme von Bo­denproben werden von den Landwirtschaftsämtern zur Verfügung gestellt. Im vergangenen Jahr sind landesweit rund 50.000 Bodenproben von etwa 18.000 Standorten analysiert und für Düngungsempfehlungen ausgearbeitet worden.

3b) Aufklarungsveranstaltungen für Kleingärtner/innen

Stellungnahme der Verwaltung:
Für Kleingärtner könnte die Stadt einen Informationsnachmittag mit der Stadtgärtnerei organisieren. Ebenso könnte geeignetes Informationsmaterial über die Tagespresse veröffentlicht werden.

3c) Vermeidung von Pestiziden auf gemeindeeigenen Flächen

Stellungnahme der Verwaltung:
Auf gemeindeeigenen Flächen werden Pestizide nur noch bei der Rosenpflege eingesetzt.
Um der vorzeitigen Entlaubung der Rosenstöcke durch Pilzbefall entgegenzuwirken, sind bisher nur Präparate auf chemischer Basis wirkungsvoll.

Biologische Präparate, die die Verwendung von chemischen Mitteln hoffentlich entbehrlich machen, sind erst in der Entwicklung.

Fazit:
Die Stadt behält die bisherige Praxis bei, oder es werden keine neuen Rosen mehr angepflanzt, bis die biologischen Präparate voll entwickelt sind.

3d) Weitgehendster Verzicht auf Streusalz

Stellungnahme der Verwaltung:
In der Ortssatzung der Stadt Freudenstadt über öffentliche Sicherheit und Ordnung ist die Verwendung von auftauenden Streumitteln für die Straßenanlieger verboten. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht wird auf Straßen innerhalb geschlossener Ortschaften auch weiterhin an verkehrswichtigen und gefährlichen Stellen bei Schnee- und Eisglatte mit Salz gestreut. Hierfür wird aber ein Salzsplittgemisch verwendet, daß den Verbrauch von Streusalz eindämmt.

3e) Kein Umbruch für Wiesengelände außer in geordneter Felderwirtschaft

Stellungnahme der Verwaltung:
Es werden vermehrt Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Für diese Gebiete gelten dann besondere Richtlinien der Bewirtschaftung.
Bei der noch zu erstellenden Biotopvernetzungsplanung werden ebenfalls Flächen festgelegt, die extensiv zu bewirtschaften sind. Die betroffenen Grundstückseigentümer erhalten hierfür Ausgleichszahlungen.

3f) Überarbeitung der städtischen Vergabegrundsätze nach oben genannten Gesichtspunkten.

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Stadt sollte entsprechende Regelungen in die Verpachtungsverträge aufnehmen. Insbesondere im Bereich der Kleingärten gibt es viele Möglichkeiten der naturnahen Gartenbewirtschaftung.

4. Lösung der Abwasserprobleme

4a) Überarbeitung der kommunalen Abwassersatzung unter Berücksichtigung ökologischer und verursachergerechter Gesichtspunkte

Stellungnahme der Verwaltung:
Die Abwassergebühren sind über einen Wahrscheinlichkeitsmaßstab an die bezogene Frischwassermenge geknüpft. Der Tarif ist linear. Für Starkverschmutzer werden entsprechende Stark­verschmutzerzuschläge erhoben.

4b) Erfassung und Überprüfung von Indirekteinleitern und betrieblichen Vorbehandlungsanlagen durch Fachkraft.

Stellungnahme der Verwaltung:
Nach der Eigenkontrollverordnung ist die Stadt verpflichtet, ein Kataster über Indirekteinleiter aufzustellen. Es wird für die Vergabe dieses Katasters an ein Fachbüro eine entsprechende Summe in den Haushaltsplan 1992 eingestellt werden. Das Indirekteinleiterkataster wird gern. Eigenkontrollverordnung jähr­lich aktualisiert. Das Indirekteinleiterkataster kann auch Anstöße geben, in bestimmten Betrieben mit wasserintensiven Produktionsverfahren auf geschlossene Brauchwassersysteme hinzuwirken.

4c) Erfassen von Standorten wassergefährdender Anlagen

Stellungnahme der Verwaltung:
Das Erfassen von Standorten wassergefährdender Anlagen fällt in den Zuständigkeitsbereich des Amtes für Wasserwirtschaft und Bodenschutz und des Landratsamtes als unterer Wasserschutzbehörde.

4d) Überprüfung des Kanalsystems

Stellungnahme der Verwaltung:
Gemäß Eigenkontrollverordnung ist die Stadt verpflichtet, alle 10 Jahre das Kanalnetz vollständig optisch untersuchen zu lassen. Diese Aufgabe nimmt die Stadt schon seit mehreren Jahren wahr.

4e) Verwendung von umweltfreundlichen Wasch- und Reinigungsmitteln in allen öffentlichen Einrichtungen

Stellungnahme der Verwaltung:
Von der städtischen Beschaffungsstelle werden nur noch Wasch- und Rei­nigungsmittel beschafft und an städtische Verbrauchsstellen ausgegeben, die den Richtlinien des Umweitbundesamtes entsprechen. Es wird darauf geachtet, daß die Verpackung aus problemlos zu entsorgendem Material hergestellt ist oder aber in Mehrwegkanistern ausgeliefert wird. Im Fuhrpark werden nur noch Produkte, die den "blauen Umweltengel" tragen, verwendet. Es werden auch keine FCKW - haltigen Sprays mehr benutzt.

4f) Öffentlichkeitsarbeit zum sparsamen Umgang mit Wasch­ und Reinigungsmitteln

Stellungname der Verwaltung:
Das Tiefbauamt hat in einem Zeitungsartikel zu einem sparsamen Umgang mit Wasch- und Reinigungsmittel aufgerufen. Den Bürgern wurde erklärt, daß bei sorglosem Umgang mit Detergenzien die Reinigungsleistung der kommunalen Klaranlagen eingeschränkt wird.
Eine weitergehende Öffentlichkeitsarbeit könnte auch bei der Energiebe­ratungsstelle der EVS in Verbindung mit den Stadtwerken angesiedelt werden. Sinnvoll ist auch eine ständige Information über die Presse, wie sie vorn Tiefbauamt ansatzweise durchgeführt wurde.

nach obenBoden

Der Boden - vor allem die oberste belebte Schicht der Erdoberflache - gilt neben dem Wasser und der Luft als drittes bedrohtes Umweltmedium.
Der Boden ist ein Ökosystem voller Leben: Ein Spatenstich Erde enthalt mehr Lebewesen als auf der Erde Menschen leben! Die Tatsache, daß der Boden sprichwörtlich "lebt“, macht ihn gleichzeitig äußerst empfindlich gegenüber kleinsten Veränderungen seiner chemischen Zusammensetzung. Die Vielzahl seiner Funktionen spricht für seine besondere Schutzwürdigkeit.

Der Boden ist
- Lebensraum unzähliger Lebewesen und Organismen
- Pflanzenstandort, der die Haushaltsgrundlage der gesamten
- Vegetation darstellt und als wichtiger Faktor beim Stoffkreislauf fungiert
- Anbauflache für Nahrungsmittel
- Wasserspeicher, der die Wasserversorgung der Pflanzen aus Niederschlägen reguliert
- Filter und Auffangraum für Schmutz und Schadstoffe
- Rohstofflieferant
- Erholungsflache
- Siedlungs-, Produktions- und Verkehrsfläche
- Träger der Kulturgeschichte

Gefährdet ist der Boden vor allem in zweierlei Hinsicht: Zum einen durch eine zunehmende Zersiedelung und Versiegelung der Landschaft, zum anderen durch die direkte Einwirkung von Schadstoffen.

1. Maßnahmen zur Reduzierung des Flächenverbrauchs in Folge Zersiedelung und Versiegelung:

1a) Keine weitere Versiegelung von Flächen; bei unbedingt notwendiger Asphaltierung von Straßen künftig prüfen, welche versiegelten Flachen rückgebaut werden könnten, damit die Gesamtversiegelung nicht zunimmt; vorrangige Verwendung von Rasengittersteinen oder wasserdurchlässigen Belagen bei der Anlage neuer Stell- ­oder Festplätze etc..

Stellungnahme der Verwaltung:
Bei der Planung neuer Baugebiete werden in den nächsten Jahren umweltrelevante Festsetzungen in die Bebauungspläne aufgenommen, u. a. auch die Festsetzung über die Versiegelung von Flächen. Es werden auch Festsetzungen getroffen, daß Stellplatze, Abstellflachen oder Lagerflachen wasserdurchlässig zu befestigen sind, soweit keine anderen Rechtsvorschriften entgegenstehen.
Das Bundesverkehrsministerium hat für die Anlage von Erschließungsstraßen, in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung, neue Straßenquerschnitte vorge­schlagen. Gegenüber früheren Entwurfsvorgaben sind diese wesentlich eingeschränkt. Die Stadt betreibt auch den Rückbau bestehender Straßen: Hier ist der Rückbau der Landhausstraße von 6 m auf 5 m zu erwähnen. Am Katz-Kolzmann-Platz ist ein Seitenarm der Hartranftstraße zugunsten einer Grünfläche rückgebaut worden. Der Betriebsparkplatz am Stock'schen Lager wurde mit einem wasserdurchlässigen Belag aus Galisand befestigt.

Das Tiefbauamt rät allerdings davon ab, bei intensiv genutzten Stellplatzen Rasengittersteine oder ähnlich durchlässige Belage zu verwenden. Die Bodenverdichtung zwischen den Rasengittersteinen ist hier zudem so stark, daß keine Pflanzen wachsen können. Es besteht auch die Gefahr des Eindringens von Kraft- und Schmierstoffen von Kfz in den Boden.

Fazit:
Der Vorschlag des Tiefbauamtes ist aufzugreifen. Beispielhaft ist die Aktion in der Landhausstraße, bei der in Absprache mit den Anwohnern 10 Stellplatze ersatzlos gestrichen wurden.

1 b) Aufnahme einer Flächenbegrenzung ins Ortsrecht für die Versiegelung von Privatgrundstücken

Stellungnahme der Verwaltung:
Durch die Festlegung der Grundflächenzahl im Bebauungsplan wird der Grad der Versiegelung begrenzt. Ebenso werden auch Anpflanzungen festgelegt. Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens unterstützt die Stadtverwaltung ökologische und umweitgerechte Bauweisen. Dabei erfolgt bei konkreten Vorhaben eine ideelle Einzelfallförderung. Eine Aufnahme in den Bebauungsplan, Gartenwege oder Garagenzufahrten nur mit wasserdurchlässigem Material anzulegen oder zu befestigen, erscheint inso­fern bedenklich, daß es eine sehr enge Festlegung ist. Die Verfügungsrechte des Eigentümers über sein Grundstück werden dadurch möglicherweise zu stark eingegrenzt, so daß eine derartige Festlegung rechtlich wohl nicht haltbar wäre.

Ein Förderprogramm zum Rückbau versiegelter Flächen und zur vermehrten Anlage von Grünflachen und Gehölzpflanzungen zur Verbesserung des Woh­numfeldes wurden im technischen Ausschuß am 07.02.91 behandelt. Diesem Antrag wurde nicht entsprochen.

1c) Anlage von landwirtschaftlichen Wegen oder Waldwegen, möglichst nur mit wasserdurchlässigen Materialien wie Sand oder Schotter, Prüfung eines Rückbaus bei Generalinstandsetzung

Stellungnahme der Verwaltung:
Bei der Anlage von landwirtschaftlichen Wegen oder Waldwegen hat der Ausbau mit wasserdurchlässigem Material Vorrang. Im Bereich des Forstamtes werden lediglich einige Hauptfahr- bzw. Wanderstrecken (z. B. Salzleckerweg, Schwarzer Stich usw.) in Bitumen ausgeführt.
Von einem generellen Rückbau der Bitumendecken sollte nach Stellungnahme des Forstamtes abgesehen werden. Das Forstamt schlägt statt dessen vor, den Rückbau der Biturnendecken bei notwendig werdenden Instandsetzungsarbeiten im Einzelfall zu prüfen. Dies ist auch die Meinung des Tiefbauamtes. Abhängig von der örtlichen Verkehrsbeiastung durch Forst- und Landwirtschaftsfahrzeuge muß die geeignete Bauweise für Feldwege ausgewählt werden. So wurde in Zusammenarbeit mit dem Flurbereini­gungsamt der Feldweg 1 auf der Gemarkung Musbach in Schotterbauweise völlig erneuert. In einem Steilstück wurde wegen der Erosionsgefahr eine bit­uminöse Tragdeckschicht gewählt.
Bei der Generalinstandsetzung des Salzleckerweges hat sich der Gemeinderat dagegen für die Erneuerung der Bitumendecke entschieden. Ausschlagge­bend waren die geringen Baukosten und deutlich geringere Unterhaltskosten in den Folgejahren.

Fazit:
Der Ausbau mit wasserdurchlässigem Material sollte unbedingt Vorrang haben. Die höheren Bau- und Unterhaltskosten muß die Gemeinde auf sich nehmen, da sie aucheine Vorbildfunktion im Bezug auf die Versiegelung von Privatgrundstücken hat.

1d) Festschreibung von Dach- oder Fassadenbegrünung in Bebauungsplanen.

Stellungnahme der Verwaltung:
Im Rahmen der Bebauungsplanung ist eine Festschreibung von Dach- oder Fassadenbegrünung zur Planungspraxis geworden. Im Rahmen der textlichen ­Festsetzungen des 9 Abs. 1 Nr. 25 a BauGB werden Flachdachbegrünungen und Fassadenbegrünung vorgeschrieben (vor allem im GE, siehe Hochgerichtsäcker). Diese Vorgaben werden bei den Bebauungsplanen, die diese Vorgaben städtebaulich und ökologisch erforderlich machen, angewandt.

1e) Förderung des Ausbaus von Dachgeschossen

Stellungnahme der Verwaltung:
Durch die Stadt Freudenstadt wird der Dachgeschoßausbau nicht gezielt gefördert. Der Gemeinderat hat jedoch bereits 1990 beschlossen, daß bei nachträglichern Ausbau von Dachgeschoßwohnungen, die später vernietet werden, die Stellplatzablösung erst fünf Jahre noch Erteilung der Baugenehmigung zur Zahlung fällig wird. Dies hat die Wirkung einer Stundung. Die Zinsbelastung für den Bauherrn wird dadurch vermindert.

1 f) Weiterer Ausbau von Sportanlagen nur noch sparsam und nach ökologischen Grundsätzen, Förderung von Mehrfachnutzungen

Stellungnahme der Verwaltung:
Der Bedarf an Sportanlagen ist weitgehend gedeckt. Der jetzt zu erweiternde Golfplatz wird sparsam und nach ökologischen Grundsätzen vergrößert. Beim Ausbau der Sportanlage Wittlensweiler werden bereits in das laufende Bebauungsplanverfahren die ökologischen Gesichtspunkte miteinfließen.
Im Bebauungsplanverfahren für geplante Sportanlagen oder im Baugenehmi­gungsverfahren für Erweiterungen von Sportanlagen werden ökologische Ge­sichtspunkte beachtet.

1g) Weiterer Ausbau von Sportanlagen sparsam und unter Beachtung
ökologischer Grundsätze

Stellungnahme der Verwaltung:
Für die Neuanlegung von Park- und Grünanlagen wird eine möglichst naturnahe Gestaltung bereits praktiziert. Wege mit sand- und wassergebundenen Decken sind die Regel. Wesen statt Rasenflachen werden planerisch nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten bevorzugt, sondern auch im Hinblick auf den Personaleinsatz bei der Pflege dieser Flächen.

1 h) Landwirtschaft: Erhalt alter Wege mit Buschrain und Alleebäumen; Wendestreifen an Wegen und Grenzen; Erhalt von Hecken, Böschungen und Steinriegeln; Förderungen von Rekultivierung und Extensivierungs­maßnahmen

Stellungnahme der Verwaltung:
Bereits seit 1989 fördert die Stadt Freudenstadt mit einem Landschafts­pflegeprogramm die Grünlandbewirtschaftung mit 30,-- DM/ha Mähgeld.
Flächen, die spezielle Pflege erfordern, wie z. B. Feuchtgebiete, werden zusätzlich mit 50,-- DM/ha gefördert. Die Pflanzung von Obstbäumen als Hochstämme wird mit 10,-- DM pro Stamm bezuschußt.
Das Abmähen von Flachen in Landschaftsschutzgebieten wird bereits seit Jahren mit dem Komplementärbeitrag in Höhe des Zuschusses des Landes gefördert.
In der geplanten Biotopvernetzungskonzeption wird der Erhalt ökologisch wertvoller Strukturen gesichert, sowie Rekultivierungs- und Extensivie­rungsmaßnahmen gefördert. Nutzungseinschränkungen und Pfle­gemehraufwand werden dabei nach den Bestimmungen der Landschaftspflegerichtlinien ausgeglichen.

1 i) Forstwirtschaft: Künftig nur noch sparsamer Wald­wegeausbau; Rückführung des Wassers bei Entwässerung von Wegen; kein Befahren der Bestandsflächen mit schweren Maschinen.

Stellungnahme der Verwaltung:
Ein hoher gesunder Waldanteil trägt weitgehend zum Erreichen der Ziele dieses Programms bei.
Der Wald dient als Luftfilter und geht dabei selber kaputt. Das Nieder­schlagswasser wird gefiltert und gespeichert. Der Boden wird vor Erosion, Auswaschung und Austrocknung geschützt. Ein wichtiger Beitrag ist auch der Ausgleich des Klimas.

Der Forderung nach einem sparsamen Waldwegeausbau wird - soweit wie möglich - nachgekommen. Zur Vermeidung von Schaden und Durchforstungs­rückständen ist eine gewisse Erschließungsdichte jedoch unumgänglich. Durchforstungsrückstande begünstigen die Instabilität der Bestände gegenüber Schnee, Sturm und anderen Schadfaktoren. Rückeschäden beeinträchtigen die Vitalität und Gesundheit der Bäume, die auch in 100 Jahren noch stehen sollten und einen gesunden, wertvollen Wald bilden werden.

Der Waldwegeausbau ist jeweils auf den Stand der Forsttechnik abzustimmen. Veränderungen im Stand der Forsttechnik bedeuten nicht zwangsläufig, daß das Forstamt mit weniger Waldwegen auskommt. Es kommt auf die angewendeten Verfahren und eingesetzten Maschinen an, wie hoch die Anforderungen an den Ausbauzustand und an die Erschließungsdichte sind. Die heutigen Langholzfahrzeuge sind z. B. bis zu 50 t zugelassen, während früher die Grenze bei 20 t lag. Ein Langholzfahrzeug mit 50 t hat andere und zwar höhere Anforderungen an Kurvenradien und Tragfähigkeit eines Fahrweges als ein 20-t-LKW. Bei verstärktem Einsatz der Seilkrantechnik ließen sich hingegen Maschinenwege einsparen. Der Einsatz der Seilkrantechnik setzt allerdings einen größeren Massenanfall pro Flacheneinheit voraus.

Außerdem bedeutet Seilkraneinsatz Unternehmereinsatz, und wäre damit solchen Betrieben zu empfehlen, die eine leichte Unterkapazität an eigenen Arbeitskräften aufweisen. Die Seilkranbringung pro Festmeter ist in der Regel auch teurer als herkömmliche Bringungsverfahren.

Das Forstamt ist der Auffassung, daß die Wege gegenwärtig ausreichend und angemessen ausgebaut sind. Punktuelle Ergänzungen, Verbesserungen und Anpassungen an den Stand der Technik sind jedoch immer wieder erforderlich. Die Waldwege- werden alle mit einem Profil versehen, so daß das Wasser möglichst direkt wieder dem Wald zugeführt wird. Ein Ziel der forstlichen Betriebsführung, daß Bestandflachen mit schweren Maschinen nur noch auf den dafür vorgesehenen Maschinenwegen befahren werden dürfen, zeigt in der Praxis noch nicht immer den gewünschten Erfolg.

Fazit:
Die Waldwege sollten wie bisher ausreichend und angemessen ausgebaut werden, um Durchforstungsrückstände und eine Zunahme von Rückekosten durch größere Entfernungen mit darauffolgenden Rückschäden zu vermeiden. Die Maschinenführer sind strenger anzuweisen und zu kontrollieren, daß sie nur auf den dafür vorgesehenen Maschinenwegen fahren.
Bei der Einsparung von Maschinenwegen könnte es hilfreich sein, vermehrt Pferde zum Abtransport der geschlagenen Stämme aus den Bestandsflachen einzusetzen.

2. Maßnahme zur Verringerung des Schadstoff­eintrages:

2a) Unterbindung von direkten Pestizid- und Gifteinträgen
2b) Absolutes Pestizidverbot auf städtischem Grund und in
städtischen Betrieben

Stellungnahme der Verwaltung:
Im Stadtwald werden keine Herbizide oder Fungizide eingesetzt. Lediglich das Insektizid Ripcord 40 wird in der Zeit vorn März bis August zum Schutz des qualitativ besseren Stammholzes gegen den Befall mit Borkenkäfern verwendet. Um den Insektizideinsatz weiter einzuschränken, wird das eingeschlagene Holz auf einem zentralen Holzlagerplatz naß gelagert. Über die Möglichkeit der Naßlagerung hinaus gibt es derzeit keine geeignete weitere alternative zu Ripcord 40.
Im Zuständigkeitsbereich der Stadtgärtnerei wird auf Herbizide grund-sätzlich verzichtet. Es werden umweltschonende Verfahren wie das Bestrahlen mit In­frarot, Hacken und Mulchen eingesetzt. Im Freiland wird auf chemische Insektizide völlig verzichtet. Es werden im Einzelfall biologische Mittel angewendet.
In den Glashäusern werden chemische Insektizide nur angewendet, wenn biologische Mittel in ihrer Wirkung nicht ausreichen und die Pflanzensubstanz durch Schädlingsbefall gefährdet ist.
Im Freiland ist der Verzicht auf chemische Fungizide bis auf eine Ausnahme - die Rosenpflege - möglich ( siehe auch Wasser Punkt 3c). Im Gewächshaus werden soweit als möglich biologische Mittel eingesetzt. Im Einzelfall werden jedoch chemische Präparate, die keiner Giftabteilung angehören, erforderlich.

Fazit.
Der Einsatz von Pestiziden ist auf den gemeindeeigenen Flächen soweit als möglich eingeschränkt.

Im Stadtwald kann nur unter inkaufnehmen von Ertragsverlusten durch die Entwertung von hochwertigen Stammholz auf Ripcord 40 verzichtet werden. Obwohl sich dieses Insektizid noch den gegenwärtigen Stand der Kenntnis im Boden relativ schnell wieder abbaut, sollten weitere Möglichkeiten zur Redu­zierung des Einsatzes ausgeschöpft werden.

Im Bereich der öffentlichen Parkanlagen könnte man vermehrt auf Mischkultur setzen. Im Kleingartenbereich kann dadurch völlig auf Pestizide verzichtet werden.

Die Mischkultur ist wohl arbeitsintensiver, könnte jedoch mit entsprechenden Hinweistafeln auch zur Information der Öffentlichkeit dienen.

2c) Pflege von Sport- und Grünanlagen ohne Pestizideinsatz und mit angepasster Düngung.

Stellungnahme der Verwaltung-
Die Pflege von Sport- und Grünanlagen unter Verwendung von Pestiziden ist durch Gemeinderatsbeschluß verboten. Bei Sportrasenflächen kann allerdings auf Kunstdünger nicht ganz verzichtet werden, was Bodenanalysen bestätigt haben. Für den Golfplatz gibt es einen Pflegeplan, der mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt wurde.

Fazit-
Das Pestizidverbot ist beizubehalten. Durch ständige Bodenanalysen sollte der Düngereinsatz optimiert werden.

2d) Verzicht auf Kunstdünger- und Torfeinsatz durch Betreiben einer beispielhaften Kompost-/Humuswirtschaft

Stellungnahme der Verwaltung-
Im Bereich der Stadtgärtnerei werden durch die Pflege von städtischen Gründstücken anfallende Abfälle kompostiert und das entstehende Humusmaterial wird wiederum auf städtischem Grund verwendet.
Das Tiefbauamt hat dieses Jahr eine Aktion abgeschlossen, bei der an interessierte Bürger Komposter ausgeliefert wurden. Es wurden knapp 80 Komposter abgegeben. Die Aktion wurde durch das Landratsamt bezuschußt. Bürger, die keine eigene Möglichkeit der Kompostierung haben, können bei
der neuerrichteten Kompostierungsanlage auf der Deponie Bengelbruck Pflanzenabfälle anliefern. Dort ist auch fertige Komposterde erhältlich. Auf dem Bauhof soll ebenfalls eine Verkaufsstelle eingerichtet werden.

Fazit:
Es sollte versucht werden, ob durch Beigabe von Kompost oder Humus nicht ganz auf Kunstdünger und Torf verzichtet werden kann.

2e) Verzicht auf Streusalz; kostenloses Bereitstellen von Streu­mitteln

Stellungnahme der Verwaltung:
Die städtische Straßenmeisterei stellt im Herbst an vielen Stellen im Stadtgebiet und in den Stadtteilen Streukisten mit Splitt auf. Dieses Streumittel steht den Bürgern kostenlos zur Verfügung.
Die Stadt Freudenstadt führt ferner Inforrnations-/Fortbildungsveranstaltungen über die Bedeutung und den Schutz des Bodens durch. Sie bemüht sich zudem um Forschungs-/Meßprogramme zur Bodenuntersuchung.

Informations- und Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Boden werden von verschiedenen Trägern angeboten, z. B. von der IHK oder der Akademie für Umwelt- und Naturschutz. Bodenschutz und damit verbundene Bodenuntersuchungen sind Aufgabe der Bodenschutzbehörde. Bei Verdachtsflächen auf Altlasten gibt die Stadt selbst Bodenuntersuchungen in Auftrag. So wurde beim Gebiet um den Hauptbahnhof und im Bereich des Bebauungsplans "Manbachsiedlung" verfahren.

zur vorigen Seite zurück nach oben